Achtsamkeitsbasierte Verfahren

Zusammenfassung

Achtsamkeitsbasierte Therapien sind multi-konzeptionelle Anwendungen, bei denen verschiedene Geist-Körper-Verfahren (wie Achtsamkeitsbasierte Meditation, Yoga, Psycho-Edukation) kombiniert werden.

Neben der Verbesserung der Lebensqualität, soll die Verringerung von emotionalem Stress, Angst, Depression, Stimmungs- und Schlafstörungen sowie Fatigue erreicht werden.

Es gibt Nachweise, dass Achtsamkeitsbasierte Verfahren die psychosoziale Anpassung - besonders hinsichtlich der Reduktion von emotionalem Stress - verbessern. Bezüglich physischer Effekte der Therapie kann zurzeit noch kein wissenschaftlicher Nachweis erbracht werden.

Achtsamkeitsbasierte Verfahren werden insgesamt als sichere Therapien eingestuft.

Hintergrundinformation

Achtsamkeitsbasierte Stressreduktion (engl. Mindfulness-based stress reduction – MBSR) und Achtsamkeitsbasierte Kognitive Therapie (engl. Mindfulness-based cognitive therapy – MBCT) sind Geist-Körper-Anwendungen, die Komponenten verschiedener Therapieformen kombinieren. Es kommen Elemente der Psychoedukation zum Einsatz ebenso wie Übungen der Achtsamkeitsbasierten Meditation, Kognitiv-Verhaltenstherapeutische Aspekte und Bewegungsübungen.

Kernbestandteile sind sitzende Meditation (bewusster Atem, Aufmerksamkeitsfokussierung), Körper-Scan (bewusste Körperwahrnehmung, etwa 45 minütige-Übung), Hatha-Yoga (aufmerksame Bewegungsübungen), Gehmeditation und Einsichts-/Erkenntnismeditation.

Begründet wurden die Achtsamkeitsbasierten Verfahren durch Jon Kabat-Zinn an der Klinik für Stressreduktion der Medizinischen Fakultät der Universität von Massachusetts. 1979 wendete er Achtsamkeitsbasierte Stressreduktion erstmalig bei Patienten mit chronischen Schmerzzuständen an.

Die Achtsamkeitsbasierte Kognitive Therapie wurde, beruhend auf Zinns Verfahren, von Zindel Segal, Mark Williams und John Teasdale entwickelt und richtet sich speziell an Patientinnen und Patienten mit wiederkehrenden Depressionen. Daher enthält diese Therapieform mehr Psycho-edukative Elemente.

Die Verfahren (MBSR und MBCT) beruhen auf dem buddhistischen Prinzip der Achtsamkeit. Kabat-Zinn stellte vor allem den offenherzigen, mitfühlenden Aspekt der Achtsamkeit heraus. Entsprechend seiner Ansicht sollte jeder Lehrer, der diese Verfahren anleitet, diese Kernkonzepte verinnerlicht haben und nach dem Prinzip des „Nicht-Schadens" handeln.

Achtsamkeitsbasierte Verfahren, angewendet bei Krebspatienten, wurden in einigen Studien untersucht. Im Ergebnis werden den Therapien moderate Effekte in der Verbesserung der psychosozialen Anpassung (Krankheitsverarbeitung) bescheinigt. Auch eine Reduktion des emotionalen Stresses konnte nachgewiesen werden.

Allerdings kann bisher keine Aussage über die Veränderung physischer Parameter gemacht werden. Daher kann auch zum jetzigen Zeitpunkt die Effektivität von Achtsamkeitsbasierten Verfahren bei krebsbedingter Fatigue noch nicht wissenschaftlich belegt werden.

Anwendung

Das standardisierte Achtsamkeitsbasierte Stressreduktionsprogramm nach Kabat-Zinn wird in Gruppen von sechs bis 30 Patientinnen bzw. Patienten durchgeführt. Es beinhaltet acht wöchentliche Sitzungen, von jeweils etwa 150 Minuten Dauer. Außerdem gibt es zwischen Woche sechs und sieben einen zusätzlichen Behandlungstag von etwa sechs Stunden, so dass eine Gesamt Therapiezeit von 26 Stunden erreicht wird.

Da gerade für Krebspatienten mit Fatigue dieser Zeitaufwand oft schwierig zu handhaben ist, gibt es Programme mit entsprechend kürzeren Anwendungszeiten.

Das Therapieziel ist, die Achtsamkeit in den Alltag zu integrieren. Daher sollten die Patientinnen und Patienten etwa 45 Minuten pro Tag, sechs Tage die Woche selbstständig üben. Es wird angenommen, dass bei häufigerem eigenverantwortlichem Üben bessere Ergebnisse bezüglich der psychologischen Parameter erreicht werden können.

Wirkung

Die Grundlage der Geist-Körper-Interventionen ist als komplexe psycho-physiologische Interaktion beschrieben. Über die aktive Regulation von Emotionen soll Einfluss auf das Sympathische Nervensystem (v.a. für Stressreaktionen unseres Körpers zuständig) genommen werden. Dies soll zu Veränderungen im Hormonhaushalt und der Hirnaktivität führen. Diese Wirk-Hypothese erscheint allerdings sehr komplex und mit den Mitteln der aktuellen Forschung schwer darstellbar.

Aber gerade in der unterstützenden Krebstherapie sind Achtsamkeitsbasierte Therapien weit verbreitet. Den Verfahren werden positive Effekte auf verschiedene krebsbedingte Symptome zugesprochen. So auch hinsichtlich Fatigue, Depression, Angst, Stimmungs- und  Schlafstörungen sowie auf die Lebensqualität. Auch immun-verbessernde Effekte werden diskutiert.
Allerdings beruhen diese Ergebnisse auf teilweise mangelhaft durchgeführten Studien und müssen daher unter Vorbehalt interpretiert werden. Weiterhin ist ungewiss, ob die Achtsamkeitsbasierten Verfahren bei allen Krebsentitäten ähnliche Effekte haben, da bisher hauptsächlich Studien mit Brustkrebs-Patientinnen durchgeführt wurden.

Sicherheit

Insgesamt können die Achtsamkeitsbasierten Verhaften als sichere Therapien eingestuft werden.

Es sind seltene Fälle von negativen Effekten bekannt, die bei Patienten mit psychischen Erkrankungen auftraten. Es kam durch die Meditation teilweise zur Verschlechterung bestimmter Symptome.

Diese Effekte wurden selten berichtet und sind häufig nicht exakt untersucht.

Gegenanzeigen

Es sind keine Gegenanzeigen bekannt. Allerdings sollten Menschen mit bestehenden mentalen Gesundheitsproblemen mit ihrem behandelndem Arzt absprechen, ob Achtsamkeitsbasierte Verfahren negative Auswirkungen für sie haben könnten. Auch bestehende körperliche Probleme sollten mit dem Arzt oder dem Anleiter abgesprochen werden. Es kann sein, dass einige Übungen aufgrund von physischen Einschränkungen nicht möglich sind.

Quellen

Grundlage für diesen Text ist das CAM Summary Mindfulness (Version 09/2012), des CAM-Cancer-Projektes (Concerted Action for Complementary and Alternative Medicine Assessment in the Cancer Field) – übersetzt und fachbegutachtet durch das KOKON-Netzwerk.

Dieser Text wurde erstellt am 30. Juni 2015 und zuletzt überprüft am 26. Juli 2016.

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