Akupunktur

Zusammenfassung

Die  Akupunktur ist eine der 5 Säulen der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM). Neben der pharmakologischen Therapie (Dekokt), Diätetik, traditioneller manuellen Therapie (TuiNa) und QiGong stellt sie eine der traditionellen Therapieformen der chinesischen Medizin dar.
Nach dieser Lehre entstehen Krankheiten, wenn der Energiefluss im menschlichen Körper aus der Balance gerät. Akupunktur ist ein Weg, um die Energie wieder ins Gleichgewicht zu bringen.

Praktisch sieht die Behandlung so aus, dass eine Behandlerin oder ein Behandler feine Nadeln in bestimmte Punkte auf der Körperoberfläche (Akupunkturpunkte) sticht, um Energie zu lösen oder zu stimulieren.

Akupunktur ist mittlerweile auch in der westlichen Medizin verbreitet. Hier wird sie in der Regel gezielt gegen bestimmte Symptome angewendet. Bei Krebserkrankungen wird Akupunktur zum Beispiel gegen Schmerzen, Fatigue, Übelkeit als Nebenwirkung der Chemotherapie, Hitzewallungen (bei Brustkrebspatientinnen), Kurzatmigkeit oder Leukopenie (Mangel an weißen Blutkörperchen) eingesetzt. Untersuchungen weisen auf die Wirksamkeit der Behandlung hin, insgesamt jedoch ist die Studienlage verbesserungswürdig. Etliche Untersuchungen weisen methodische Schwächen auf, teilweise sind sie auch auf Chinesisch verfasst und daher schwer zugänglich.

Bei der Behandlung können Schmerzen oder Blutungen an der Einstichstelle der Akupunkturnadeln auftreten. Das ist bei etwa 10 von 100 Behandlungen der Fall und in manchen Situationen Bestandteil der Therapie. Schwere Nebenwirkungen (wie z. B. Infektionen oder die Verletzung von Gewebe oder Organen durch die Nadeln) sind meist auf Anwendungsfehler zurückzuführen und kommen in Deutschland extrem selten vor.

Hintergrundinformation

Der Begriff „Akupunktur" stammt aus dem Lateinischen (acus = Nadel, punctura = das Stechen) und bedeutet „mit Nadeln stechen".

Bereits seit vielen tausend Jahren wird Akupunktur in China angewendet und ist seit einigen Jahrzehnten auch in der westlichen Welt etabliert.

Die Akupunktur ist fester Bestandteil der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM). Ein grundlegendes Konzept der TCM ist das Qi. Wörtlich übersetzt kann dieser chinesische Begriff zum Beispiel Energie, Atem, Luft, Hauch oder auch Kraft bezeichnen. Qi begleitet und durchdringt alles und ist in seinem Wesen immateriell. Das Qi lässt sich also nicht greifen, anfassen oder messen. In der Lehre der TCM wird dem Qi und seinem Fluss durch den Körper eine wichtige Rolle bei der Entstehung von Krankheiten zugesprochen. Yin und Yang sind einander ergänzende Kräfte: dunkel und hell, weich und hart, kalt und heiß etc. Der Fluss des Qis und die Balance von Yin und Yang entscheiden entsprechend dieser Denkschule über die Gesundheit eines Menschen. Die Stimulation der Akupunkturpunkte soll den Fluss des Qis positiv lenken und aus der Balance geratene Energien wieder ins Gleichgewicht bringen.

In der TCM wird Akupunktur hauptsächlich bei rheumatischen Erkrankungen oder Nervenerkrankungen eingesetzt. Bei onkologischen Erkrankungen spielt es eine eher untergeordnete Rolle.

In der westlichen Medizin wird Akupunktur meist symptomatisch gegen bestimmte Beschwerden eingesetzt (z. B. Schmerzen, Fatigue, Übelkeit als Nebenwirkung der Chemotherapie, Hitzewallungen, Kurzatmigkeit oder Leukopenie).

Anwendung

Akupunkteurinnen bzw. Akupunkteure, die der chinesischen Tradition folgen, stellen ihre Diagnose nach den Prinzipien und Techniken der TCM. Sie sprechen mit der Patientin oder dem Patienten und stellen Fragen zum allgemeinen Befinden und zur Psyche. Zungen- und Pulsbefund bestätigen die Diagnose oder führen zu ihrer Korrektur. Auf diese Weise erkennt die Behandlerin/der Behandler Qi-Ungleichgewichte und Blockaden.

Wie viele Sitzungen stattfinden und in welchem Abstand, hängt von der Diagnose ab. Danach richtet sich auch, welche und wie viele Akupunkturpunkte stimuliert werden. Eine Behandlungsreihe umfasst normalerweise 10 bis 20 Sitzungen.

Während der Akupunktur liegen die Patientinnen bzw. Patienten bequem auf einer Liege in einem wohltemperierten Raum. Meistens werden mehrere Nadeln verwendet und an verschiedenen Körperstellen (z.B. Ohr und Hand) eingestochen, manchmal jedoch auch nur eine Nadel an einer Körperstelle. Normalerweise dauert eine Sitzung zwischen 10 und 30 Minuten. Am Ende werden die Nadeln wieder entfernt.

Mittlerweile gibt es zahlreiche Varianten, die über das Verfahren der TCM hinausgehen. Die Akupunkturpunkte können zum Beispiel auch durch elektrischen Strom mit oder ohne Nadeln (Elektro-Akupunktur), durch Druck (Akupressur), durch Wärme (Moxibustion) oder Laserlicht (Laser-Akupunktur) stimuliert werden. Zuweilen verbleiben besonders kleine Nadeln auch für mehrere Tage oder Wochen im Körper (Dauernadeln).

Wirkung

Zur Wirkweise von Akupunktur haben die Traditionelle Chinesische Medizin und die westliche Medizin unterschiedliche Theorien. Mit der westlichen Methodik der evidenzbasierten Medizin ließ sich bislang kein Beweis für das chinesische Modell der Energieströme und Meridiane finden, dennoch aber Hinweise zur Wirksamkeit von Akupunktur generell. Wissenschaftler konnten zeigen, dass Akupunktur sich auf verschiedene Systeme im Körper auswirkt. Zum Beispiel werden durch das Setzen der Nadeln bestimmte Bereiche im Gehirn aktiviert oder eine Ausschüttung von Botenstoffen in Gang gesetzt. Auf welchem Wege dies passiert und was genau es bedeutet, ist allerdings noch unklar.

Sowohl die TCM als auch die westliche Medizin können Akupunktur für eine Vielzahl von Krankheiten und Symptomen empfehlen, u.a. auch bei Schmerzen, Fatigue oder Übelkeit im Zusammenhang mit einer Krebserkrankung.

Doch bis jetzt gibt es nur wenige aussagekräftige Studien. Einige Untersuchungen weisen auf eine Verbesserung von Symptomen bei Menschen mit Krebs durch Akupunktur hin. Häufig erlauben Aufbau und Methodik der Studien jedoch keine zuverlässigen Aussagen, so dass keine gesicherten Ergebnisse über die Wirksamkeit der Akupunktur vorliegen.

Sicherheit

Bei 10 von 100 Patientinnen bzw. Patienten kann Akupunktur zu Schmerzen oder Blutungen an der Einstichstelle führen.

Schwerwiegende Nebenwirkungen wie Verletzungen von Gewebe oder Organen (z.B. Pneumothorax oder Herztamponade) werden sehr selten dokumentiert und sind in den meisten Fällen auf Behandlungsfehler zurückzuführen. Die in Deutschland geltenden Hygienevorschriften tragen dazu bei, dass Infektionen wie etwa Hepatitis extrem selten vorkommen.

Insgesamt lässt sich sagen, dass eine Behandlung mit Akupunktur nicht viele Risiken birgt und häufig eingesetzt wird. Allerdings ist es wichtig, dass Sie einen gut ausgebildeten Akupunkteur für eine sichere Behandlung finden (siehe dazu auch Seriösen Anbieter finden).

Gegenanzeigen

Weisen Sie die Person, die bei Ihnen die Akupunktur durchführt, darauf hin, falls bei Ihnen Blutungsneigung bzw. Gerinnungsstörungen, Infektionen, Ödeme, Epilepsie, Schwangerschaft oder eine Nadelphobie vorliegen. Diese Informationen sind wichtig, um Komplikationen zu vermeiden.

Quellen

Grundlage für diesen Text sind die CAM Summaries Acupuncture for fatigue (Version 3/2013), Acupuncture in cancer pain (Version 6/2012), Acupuncture and acupressure for chemotherapy-associated nausea and vomiting (Version 11/2013), Acupuncture for hot flushes (Version 4/2013), Acupuncture for treatment-induced leukopenia (Version 1/2015), Acupuncture for breathlessness (Version 1/2015) des CAM-Cancer-Projektes (Concerted Action for Complementary and Alternative Medicine Assessment in the Cancer Field), fachlich geprüft durch das KOKON-Netzwerk.

Dieser Text wurde erstellt am 30. Juni 2015 und zuletzt überprüft am 26. Juli 2016.

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