Autogenes Training

Zusammenfassung

Beim autogenen Training (AT) werden spezielle mentale Übungen durchgeführt, die das Ziel haben, Stressreaktionen und Stressverarbeitung positiv zu beeinflussen. Durch Entspannungsübungen und Techniken der Autosuggestion (Selbstbeeinflussung der Gedanken und der Psyche) soll der Anwender lernen, in stressreichen Situationen gelassener reagieren zu können und diese dadurch als weniger belastend zu empfinden. Durch autogenes Training sollen Ängstlichkeit, depressive Symptomatiken und auch Schlafstörungen verringert werden. Die Techniken können prinzipiell selbstständig durchgeführt werden.

Autogenes Training wird als sehr sichere Technik beschrieben. Allerdings ist die Datenlage zur Wirksamkeit von autogenem Training bei Krebserkrankungen noch relativ dünn. Eine wissenschaftlich fundierte Aussage über die Effektivität von autogenem Training bei krebsbedingten Symptomatiken wie Fatigue oder Schmerz kann daher zurzeit nicht getroffen werden.

Hintergrundinformation

Das Wort autogen stammt aus dem Griechischen und beschreibt den Grundsatz der Behandlung: auto = selbst/-ständig, genere = hervorbringen/erzeugen, also etwas aus sich selbst heraus vollbringen bzw. schaffen.

In den 1930er Jahren entwickelte der deutsche Psychiater und Neurologe Johannes Schultz die ursprüngliche Variante des autogenen Trainings. Er beobachtete, dass einige seiner Patienten über die Konzentration auf bestimme gedankliche Bilder (wie „Schwere" und „Wärme") und durch das Wiederholen einiger Sätze in eine Art Selbsthypnose gerieten. Er war der Ansicht, dass diese Fähigkeit, sich selbst in einen tranceartigen Zustand zu versetzen, positive Effekte auf die mentale Gesundheit haben kann.

Die Weiterentwicklung des autogenen Trainings nach Schultz erfolgte durch Wolfgang Luthe, einen ebenfalls deutschen Mediziner. Er führte zusätzliche Elemente, wie organspezifische Techniken oder „intentionale Übungen", welche das emotionale Wohlbefinden der Patienten verbessern sollen, ein. Diese Teilelemente müssen allerdings nicht zwangsläufig vorkommen.

Anwendung

Autogenes Training wird in ruhiger, entspannter Umgebung durchgeführt. Wenn die Technik einmal erlernt wurde, soll der Anwender in der Lage sein, sie zu jeder Zeit und in jeder Situation anwenden zu können.

Im Normalfall besteht ein vollständiges Training aus acht bis zehn angeleiteten Sitzungen im Abstand von jeweils einer Woche. Während der etwa einstündigen (bei kleinen Gruppengrößen auch längeren) Übungseinheit sollen sich die Teilnehmer wohlfühlen können und die Möglichkeit haben, sich ganz auf sich selbst zu konzentrieren. Dabei werden sie angeleitet, den Fokus auf verschiedene Körperregionen bzw. -funktionen zu lenken. Die standardisierte Anwendung des autogenen Trainings unterscheidet sechs verschiedene mentale Wahrnehmungsübungen: 1) die Schwere der Extremitäten, 2) die Wärme der Extremitäten, 3) die Regelmäßigkeit des Herzschlages, 4) die Leichtigkeit des Atems, 5) die Wärme des Bauchraumes und 6) die Kühle der Stirn.

Wirkung

Die genauen Wirkmechanismen von autogenem Training sind bisher nicht vollständig geklärt. Einige Erklärungsmodelle setzen an den veränderten physiologischen Prozessen an. Ein geringeres körperliches Erregungsniveau wird so mit der Verringerung des wahrgenommenen Stresses erklärt. Aber auch Veränderungen der Kognition werden diskutiert. Durch das Trainieren der Gedankenlenkung kann die Aufmerksamkeit in bestimmten Situationen besser fokussiert werden.

Vor diesem Hintergrund erscheint autogenes Training als sehr nützliche Technik, um die Stress- oder Schmerzlevel von Krebspatienten zu reduzieren. Diese Vermutung wird auch durch einige wenige Studien, welche u.a. die Wirkung von autogenem Training auf Depression, Angst und Schlafstörungen untersuchten, untermauert. Allerdings sind diese Ergebnisse unter Vorbehalt zu deuten, da die Durchführung der Studien teilweise einige Mängel aufweist.

Einige Studien bescheinigen dem autogenen Training generell angst- und stressreduzierende Eigenschaften sowie eine Verbesserung der Lebensqualität. Daher wird das Training auch zur Behandlung von Fatigue-Symptomatiken eingesetzt. Allerdings wurden in diesen Studien nicht Krebspatienten im Speziellen untersucht. Es kann also zurzeit keine fundierte Aussage über die Wirkungsweise des autogenen Trainings bei Krebspatienten getroffen werden.

Sicherheit

Autogenes Training kann als sehr sichere Technik eingestuft werden. Es sind keine schädigenden oder negativen Effekte bekannt. Lediglich bei Kleinkindern unter fünf Jahren und bei Patienten, die sich in einer akuten Psychose mit Schizophrenie befinden, sollte davon abgesehen werden, Techniken der Selbsthypnose anzuwenden.

Gegenanzeigen

Kleinkinder unter fünf Jahren und  Patienten, die sich in einer akuten Psychose befinden, sollten auf den Einsatz von Techniken der Selbsthypnose verzichten.

Quellen

Grundlage für diesen Text ist das CAM Summary Autogenic Therapy (Version 08/2013) des CAM-Cancer-Projektes (Concerted Action for Complementary and Alternative Medicine Assessment in the Cancer Field) – fachlich geprüft durch das KOKON-Netzwerk.

Dieser Text wurde erstellt am 30. Juni 2015 und zuletzt überprüft am 26. Juli 2016.

nach oben