Coenzym Q10

Zusammenfassung

Coenzym Q10 ist ein Stoff, der in vielen Nahrungsmitteln vorkommt. Auch der menschliche Körper bildet kleine Mengen davon selbst. In höherer Konzentration wird Coenzym Q10 seit Jahrzehnten als Nahrungsergänzungsmittel angeboten und als Inhaltstoff von Hautpflegeprodukten eingesetzt.

Der menschliche Körper benötigt Coenzym Q10 in den einzelnen Zellen für die Umwandlung von Energie aus der Nahrung in körpereigene Energie sowie zur Stabilisierung der Zellwände.

Coenzym Q10 wird industriell hergestellt. Es kann in der Apotheke oder in Drogerien gekauft werden, meist in Form von Kapseln oder Tabletten zum Einnehmen.
In der Krebstherapie wird Coenzym Q10 vor allem wie folgt empfohlen: Es soll als Antioxidans freie Radikale binden und so das Wachstum von Krebstumoren hemmen; es soll das Herz im Besonderen, aber auch allgemein vor Schädigungen durch Nebenwirkungen einer Chemotherapie schützen; und es soll gegen chronische Fatigue wirken. In der Forschung konnte bisher kein Nachweis erbracht werden, dass Coenzym Q10 grundsätzlich gegen Krebs wirkt. Es existieren nur zwei Studien zu diesem Thema und beide weisen deutliche methodische Schwächen auf. Hinsichtlich des Herzens gibt es Hinweise, dass Coenzym Q10 vor toxischen Nebenwirkungen einer Chemotherapie schützen kann. Aber auch hier gibt es nur wenige Untersuchungen, die in ihrer Aussagekraft begrenzt sind. Zur Wirkung von Coenzym Q10 gegen Fatigue gibt es bislang keine Studien.

Coenzym Q10 gilt bis zu einer maximalen Tagesdosis von 1200 Milligramm generell als sicheres Nahrungsergänzungsmittel. Laut den in Deutschland geltenden Richtlinien des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit gilt die Einnahme von Coenzym Q10 bis zu einer maximalen Tagesdosis von 100 Milligramm als unbedenklich. Es ist nicht geeignet für Menschen mit Diabetes oder hohem Blutdruck. Bei einer Krebstherapie kann es zu Wechselwirkungen mit den bei einer Chemotherapie eingesetzten Medikamenten oder einer Strahlentherapie kommen.

Hintergrundinformation

Entdeckt wurde Coenzym Q10 im Jahr 1957 vom amerikanischen Wissenschaftler Fred L. Crane. Er isolierte den Stoff aus Rinderherzen. Die chemische Struktur klärte 1958 der Biochemiker Karl August Folkers auf. Für die Verwendung als Nahrungsergänzungsmittel wird Coenzym Q10 heute im Normalfall durch Fermentierung hergestellt: Rote Beete und Rohrzucker werden mit Hefe versetzt, dabei entsteht Coenzym Q10.

Ein Coenzym ist ein Molekül, das für das Funktionieren eines Enzyms notwendig ist. Das „Q" im Namen bezieht sich auf die chemische Gruppe der Chinone (engl. quinones) und „10" ist ein besonderer Untertyp. Im menschlichen Körper ist Coenzym Q10 Teil der Kettenreaktion, die zur Energieproduktion in den Zellen führt. Coenzym Q10 ist auch unter den Bezeichnungen Ubichinon-10, Vitamin Q-10 oder Q-10 bekannt.

Coenzym Q10 kommt in zahlreichen Lebensmitteln vor, etwa in Fleisch (speziell in Innereien wie Herz und Leber), fettreichen Fischsorten (z. B. Sardinen und Makrelen), Vollkornprodukten wie Brot oder Pasta, Naturreis, Sojaprodukten, Nüssen und auch in Gemüse (insbesondere in Brokkoli und Spinat).

Im Normalfall ist der Bedarf an Coenzym Q10 durch unsere Nahrungsaufnahme und die körpereigene Produktion mehr als gedeckt. Dennoch kommen bei älteren oder kranken Menschen teilweise niedrigere Coenzym Q10-Werte vor als normal.

Von einer zusätzlichen Aufnahme versprechen die Befürworter sich verschiedene positive Wirkungen, wie z.B. Schutz und mehr Leistungsfähigkeit für Herz und Muskelzellen oder Verlangsamung von Alterungsprozessen („Anti Aging"). Bei einzelnen Krankheitsbildern wurden Studien durchgeführt, um die Wirksamkeit von Coenzym Q10 zu prüfen. Einige Ergebnisse weisen auf einen positiven Einfluss von Coenzym Q10 hin, z. B. bei Herzproblemen (Herzmuskelschwäche). Bei anderen Krankheitsbildern konnte keine Wirkung nachgewiesen werden. Je nach Dosierung kann Coenzym Q10 allerdings auch zu Nebenwirkungen führen (siehe Sicherheit).

Anwendung

Coenzym Q10 ist als Nahrungsergänzungsmittel frei verkäuflich. Es wird in Form von Kapseln, Dragees oder Tabletten angeboten. In einer Arztpraxis oder Klinik ist bei Bedarf auch eine intravenöse Gabe über eine Spritze in die Blutbahn möglich.

Bei den im Handel erhältlichen Produkten ist die genaue Zusammensetzung unterschiedlich, ebenso die Qualität der Produkte und die Menge an Coenzym Q10, die sie enthalten.

Zu einer sinnvollen Dosierung gibt es recht unterschiedliche Angaben. Daher sollten Sie gemeinsam mit Ihrem Arzt festlegen, ob die Einnahme von Coenzym Q10 für Sie geeignet und welche Menge für Sie empfehlenswert ist.

Wirkung

Coenzym Q10 kommt in den meisten Teilen und Geweben des menschlichen Körpers vor. Am meisten davon findet sich in Leber, Herz, Nieren und Bauchspeicheldrüse. Mit dem Alter nimmt der Coenzym Q10-Gehalt ab. Auch bei Menschen mit einer Herzerkrankung oder einer Krebserkrankung wurden zum Teil niedrigere Spiegel von Coenzym Q10 festgestellt. Darum entstand im Umkehrschluss der Gedanke, eine zusätzliche Gabe von Coenzym Q10 könnte bei diesen Erkrankungen helfen oder Alterungsprozesse aufhalten.

Derzeit ist jedoch noch unklar, ob der Coenzym Q10-Spiegel sich grundsätzlich verändert, wenn Menschen an Krebs erkranken. Wenn es geschieht, ist unklar, wie dies passiert. Daher ist auch nicht bekannt, ob eine Nahrungsergänzung überhaupt notwendig ist.

In Bezug auf Krebserkrankungen versprechen sich die Befürworter von Coenzym Q10 verschiedene mögliche positive Wirkungen. Es soll unter anderem als Antioxidans freie Radikale binden und so das Wachstum von Krebstumoren hemmen. Zwei klinische Studien untersuchten die Wirkung von Coenzym Q10 bei Menschen mit Krebs. Dabei wurden positive Effekte wie bessere körperliche Verfassung oder verbesserte Lebensqualität beobachtet. Beide Studien weisen jedoch methodische Schwächen auf und sind daher nur bedingt aussagekräftig. Andere Studien untersuchten, ob Coenzym Q10 vor schädigenden Nebenwirkungen einer Chemotherapie schützen kann. Es gibt Hinweise, dass Coenzym Q10 vor allem das Herz vor toxischen Effekten bewahren kann. Aber auch hier gibt es nur wenige Untersuchungen, die in ihrer Aussagekraft begrenzt sind. Weil Coenzym Q10 die Freisetzung von Energie in den Zellen unterstützt, gab es Vermutungen, ein Coenzym Q10-Mangel könnte zu chronischer Fatigue führen. Im Umkehrschluss, so folgerten die Befürworter dieser Hypothese, könnte eine erhöhte Zufuhr von Coenzym Q10 Fatigue bekämpfen. Dies wurde jedoch bislang noch nicht in Studien überprüft. Daher gibt es keinerlei wissenschaftliche Beweise für eine Wirksamkeit von Coenzym Q10 gegen krebsbedingte Fatigue.

Sicherheit

Coenzym Q10 wird als äußerst sicheres Nahrungsergänzungsmittel eingeschätzt. Dies gilt für eine Dosis von bis zu 1200 Milligramm pro Tag.

Für Frauen nach der Menopause ist eventuell eine höhere Vorsicht geboten: Wenn Sie einen überdurchschnittlich hohen Coenzym Q10-Spiegel haben, gibt es Hinweise auf ein erhöhtes Brustkrebsrisiko.

Mögliche Nebenwirkungen von Coenzym Q10 sind: Übelkeit, Oberbauchschmerzen, Hautausschläge, Schwindelgefühl, Lichtempfindlichkeit, Reizbarkeit, Fatigue, Kopfschmerz und Sodbrennen. Coenzym Q10 kann außerdem den Energielevel erhöhen. Bei Einnahme am Abend und einer Dosierung über 100 Milligramm kann es daher leichte Schlafstörungen auslösen.

Sprechen Sie auf jeden Fall mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, wenn Sie Medikamente einnehmen, die sich auf die Blutgerinnung auswirken (z. B. Warfarin). Durch die Einnahme von Coenzym Q10 können Wechselwirkungen auftreten.

Anhand des Brustkrebs-Medikaments Doxorubicin wurde mit Tumorzellen in einer Zellkultur die Auswirkung von Coenzym Q10 auf die Wirksamkeit von Doxorubicin untersucht. Dabei stellte man jedoch fest, dass Coenzym Q10 die Wirksamkeit des Medikaments nicht veränderte. Diese Erkenntnis ist allerdings nicht für alle Krebsmedikamente verallgemeinerbar.

Gegenanzeigen

Kein Coenzym Q10 einnehmen sollten schwangere und stillende Frauen, Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren sowie Personen mit einer Erkrankung an Diabetes mellitus oder Bluthochdruck (arterielle Hypertonie).

Es ist möglich, dass Coenzym Q10 die Wirksamkeit von bestimmten Chemotherapien oder einer Bestrahlung herabsetzt. Daher sollten Patientinnen oder Patienten, die sich in einer solchen Behandlung befinden, die Einnahme von Coenzym Q10 unbedingt mit ihrer behandelnden Ärztin bzw. ihrem behandelnden Arzt absprechen.

Quellen

Grundlage für diesen Text ist das CAM Summary Co-enzyme Q10 (Version 4/2014) des CAM-Cancer-Projektes (Concerted Action for Complementary and Alternative Medicine Assessment in the Cancer Field) – fachlich geprüft durch das KOKON-Netzwerk.

Außerdem wurden zur Einstufung der unbedenklichen maximalen Tagesdosis eine Quelle des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit herangezogen.

Dieser Text wurde erstellt am 30. Juni 2015 und zuletzt überprüft am 26. Juli 2016.

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