Ginseng

Zusammenfassung

Ginseng (Panax) ist weltweit eine sehr häufig eingesetzte Heilpflanze. Die Anwendung blickt auf eine lange Tradition zurück, sowohl in Asien als auch in Amerika. Dieser Text bezieht sich auf die vorrangig genutzten Arten Asiatischer bzw. Koreanischer Ginseng (Panax ginseng) und Amerikanischer bzw. Wisconsin Ginseng (Panax quinquefolius). In diesem Text ist zur Vereinfachung von „Ginseng" die Rede, wenn diese beiden Arten gemeint sind.

Ginseng-Präparate werden aus der Wurzel von Ginseng-Pflanzen gewonnen und normalerweise als Kapseln oder Extrakt eingenommen. Präparate aus Panax-Ginseng sind in Deutschland als Medikamente zugelassen und haben eine entsprechende Qualität.

Ginseng steht in dem Ruf, das Immunsystem zu stärken und den Stoffwechsel anzuregen. Dadurch soll er beispielsweise vor Erkältungen schützen oder Erschöpfungszuständen entgegenwirken. In mehreren Studien mit Krebspatientinnen und -patienten wurde nachgewiesen, dass Ginseng gegen Fatigue wirksam ist. Eine Studie aus dem Jahr 2012 gibt Hinweise darauf, dass die Gabe von Ginseng bei Patientinnen und Patienten mit Leukämie(CLL) die Anfälligkeit für Infektionen reduziert. In anderen Studien wurde untersucht, wie Ginseng sich im Zusammenhang mit Krebserkrankungen auf die Überlebenszeit, das Ansprechen des Tumors auf die Therapie, Nebenwirkungen der Chemotherapie und die Lebensqualität auswirkt. Insgesamt sind die Ergebnisse dieser Studien wenig aussagekräftig und lassen keine endgültigen Aussagen über die Wirksamkeit von Ginseng zu.

Insgesamt gelten Ginseng-Präparate als sicher. Allerdings sollten Menschen mit Diabetes oder Bluthochdruck vor der Einnahme ärztlichen Rat suchen. Generell sollten Menschen, die regelmäßig Medikamente einnehmen, Ginseng-Präparate nur nach Rücksprache mit einer Ärztin oder einem Arzt einnehmen, da Wechselwirkungen auftreten können.

Hintergrundinformation

Ginseng ist eine Pflanzengattung, mit wissenschaftlichem Namen Panax. Das Arzneimittel Ginseng wird aus verschiedenen Panax-Arten hergestellt. Die vorrangig genutzten Arten sind Asiatischer bzw. Koreanischer Ginseng (Panax ginseng) und Amerikanischer bzw. Wisconsin Ginseng (Panax quinquefolius). Neben Asiatischem und Amerikanischem Ginseng gibt es noch zahlreiche weitere Panax-Arten. Manchmal werden sogar auch Pflanzen anderer Gattungen mit der Bezeichnung „Ginseng" belegt. Es ist also sinnvoll abzuklären, was genau gemeint ist, wenn von Ginseng die Rede ist. Dieser Text bezieht sich auf Asiatischen und Amerikanischen Ginseng. Im Folgenden wird zur Vereinfachung die Bezeichnung „Ginseng" für diese Arten verwendet.

Ginseng-Präparate werden aus der Wurzel von Ginseng-Pflanzen gewonnen. Die Pflanze wird geerntet, wenn sie vier bis sieben Jahre alt ist, und alle Teile der Wurzel werden genutzt. Je nach Art der Verarbeitung werden die Bezeichnungen roter und weißer Ginseng verwendet: Roter Ginseng wird nach der Ernte mit Wasserdampf behandelt, weißer Ginseng getrocknet. Angebaut wird Ginseng in einigen Teilen Kanadas, in den USA, in China, aber hauptsächlich in Südkorea, wo jährlich über 11.000 Tonnen produziert werden.

Ginseng wird seit Tausenden von Jahren als Heilmittel bei vielen Beschwerden genutzt, und Überlieferungen nach soll es lebensverlängernde Eigenschaften besitzen. In Europa wurde Ginseng zu Beginn des 18. Jahrhunderts durch die Veröffentlichungen des französischen Jesuiten Joseph-François Lafitau populär. Er lernte die medizinische Wirkung des Ginsengs durch seinen Aufenthalt als Missionar in Kanada kennen.

Die wirksamen Inhaltsstoffe des Ginsengs heißen Ginsenoside. Es gibt verschiedene Ginsenoside und sie werden mit Kürzeln wie Rb1, Rb2, Rc, Rd, Re, Rf und Rg1 bezeichnet. Je mehr Ginsenoside ein Präparat enthält, umso größer ist seine medizinische Wirksamkeit. Daher messen Institutionen stets auch die Menge der Ginsenoside, um die Qualität eines Ginseng-Präparates zu beurteilen.

Anwendung

Die hierzulande gängigste Anwendung von Ginseng ist die Einnahme von Kapseln mit Pulver oder flüssigen Extrakten.

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) empfiehlt eine tägliche Dosis von 1-2 Gramm getrockneter Wurzel mit einem Gehalt von mindestens 1,5 % Ginsenosiden. Ausgesprochen hat die Empfehlung die Kommission E des Instituts, die Sachverständigenkommission für pflanzliche Arzneimittel. Ginseng sollte man 1-2-mal täglich mit viel Flüssigkeit einnehmen. Es wird empfohlen, die Anwendung nach drei Monaten zu unterbrechen.

Allerdings sollte eine medizinische Anwendung von Ginseng immer zusammen mit der behandelnden Ärztin bzw. dem behandelnden Arzt besprochen und die Dosierung gemeinsam abgestimmt werden. Dabei sollten die Empfehlungen der Hersteller berücksichtigt werden, da die Präparate unterschiedliche Wirkstoffmengen enthalten.

Wirkung

Ginseng gilt als sogenanntes pflanzliches Adaptogen. Adaptogene sind Wirkstoffe, die den Organismus vor Stressreaktionen schützen und Erschöpfungsphasen vorbeugen sollen. Die Kenntnisse über Adaptogene leiten sich aus traditionellem medizinischem Wissen ab. In der Chinesischen Medizin zum Beispiel wird Ginseng seit Tausenden von Jahren genutzt, um das Yin und Yang, den Energiefluss im Körper, wieder ins Gleichgewicht zu bringen.

Wie genau Ginseng wirkt, ist bisher nur teilweise untersucht. Es wird vermutet, dass er in das Immunsystem eingreift. Andere Untersuchungen weisen darauf hin, dass Ginseng auf das zentrale Nervensystem wirkt. Wissenschaftliche Studien bestätigen die Wirksamkeit von Ginseng teilweise. Dies gilt besonders für den Einsatz zur Stärkung und Kräftigung sowohl bei Fatigue und Schwäche als auch bei geringer Leistungsfähigkeit und Konzentration. So haben sich aus Studien an gesunden Menschen Hinweise darauf ergeben, dass Ginseng sich positiv auf die körperliche Leistungsfähigkeit und die Ausdauer auswirkt. Untersuchungen zeigen außerdem, dass er Fatigue bei Krebs reduzieren kann. Die aussagekräftigsten Ergebnisse stammen aus einer Studie, in der Patienten täglich 2000mg Extrakt aus Amerikanischem Ginseng bekamen und dieses acht Wochen lang einnahmen. Bei den betroffenen Patientinnen und Patienten zeigte sich eine bedeutende Verbesserung der Symptome ohne erkennbare Nebenwirkungen.

In anderen Studien wurde untersucht, wie Ginseng sich im Zusammenhang mit Krebserkrankungen auf die Überlebenszeit, das Ansprechen des Tumors auf die Therapie, die Lebensqualität, Nebenwirkungen der Chemotherapie und die Infektanfälligkeit auswirkt. Einige chinesische Untersuchungen haben sich mit der Wirkung von Ginseng bei Patienten mit nicht-kleinzelligem Lungenkrebs beschäftigt. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass das Ansprechen auf die Chemotherapie durch die zusätzliche Gabe von Ginseng positiv beeinflusst wird. In einer anderen Studie, die an Patienten mit Speiseröhrenkrebs durchgeführt wurde, bewirkte die Gabe von Ginseng zusätzlich zur Chemotherapie keine Veränderung. Hinsichtlich der Lebensqualität deuten Studien auf positive Effekte durch die Einnahme von Ginseng hin. Eine Untersuchung setzte sich mit der Kontrolle unerwünschter Nebenwirkungen der Chemotherapie durch Ginseng auseinander und kam zu positiven Ergebnissen. Eine Studie aus dem Jahr 2012 schließlich fand Anhaltspunkte dafür, dass die Gabe von Ginseng bei Patientinnen und Patienten mit Chronischer Lymphatischer Leukämie(CLL) die Anfälligkeit für Infektionen reduzieren kann.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Wirksamkeit von Ginseng-Präparaten im Zusammenhang mit Krebserkrankungen besser erforscht werden sollte. Es gibt Nachweise, dass Ginseng gegen Fatigue wirkt. Vorläufige Ergebnisse deuten darauf hin, dass Ginseng die Infektanfälligkeit senkt. Hinweise auf die Wirksamkeit von Ginseng als Antikrebsmittel oder zur Unterstützung während einer Chemotherapie sind schwach.

Sicherheit

Asiatischer und Amerikanischer Ginseng gelten generell als sichere Heilpflanzen. Leichte Nebenwirkungen wie Schlafstörungen oder Magen-Darm-Unverträglichkeiten können auftreten. Schwerwiegende Nebenwirkungen wie z. B. Herzrhythmusstörungen sind selten und treten nur in Ländern auf, in denen Ginseng in hohen Dosen konsumiert wird. Allerdings hat sich gezeigt, dass Ginseng-Präparate nicht immer hundertprozentig den Bestimmungen der Kommission E (Sachverständigenkommission für pflanzliche Arzneimittel des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte) entsprechen. Bei einem Test in den USA im Jahr 2013 war von 21 Ginseng-Produkten eines mit Blei kontaminiert, drei Produkte enthielten nicht den Anteil an Ginsenosiden, den sie für eine sinnvolle Therapie aufweisen sollten.  Deshalb sollte man insbesondere beim Kauf von Ginseng-Präparaten über das Internet vorsichtig sein und ausschließlich auf in Deutschland zugelassene Arzneimittel zurückgreifen.

Gegenanzeigen

Bei folgenden Vorerkrankungen könnte Ginseng negative Auswirkungen auf Ihre Verfassung haben, vor allem, wenn Sie ihn über längere Zeit einnehmen: Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Schizophrenie und Schlafstörungen. Auch Diabetes-Patientinnen und –Patienten sollten Ginseng nur in Absprache mit ihrer Ärztin oder ihrem Arzt einnehmen, da er den Blutzuckerspiegel beeinflussen und zu Unterzuckerung führen kann.

Durch eine Behandlung mit Ginseng können potentielle Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten auftreten oder die Wirkspiegel anderer Medikamente beeinflusst werden. Sprechen Sie auf jeden Fall mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, falls Sie andere Medikamente einnehmen.

Quellen

Grundlage für diesen Text ist das CAM Summary Ginseng (Version 08/2013) des CAM-Cancer-Projektes (Concerted Action for Complementary and Alternative Medicine Assessment in the Cancer Field) – fachlich geprüft durch das KOKON-Netzwerk.

Dieser Text wurde erstellt am 30. Juni 2015 und zuletzt überprüft am 26. Juli 2016.

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