QiGong

Zusammenfassung

Bei QiGong, einem Bestandteil der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) handelt es sich um relativ einfach auszuführende und klare Übungsformen. Sinn des QiGong ist die Harmonisierung von Geist, Atmung und Bewegung. In der chinesischen Philosophie gibt es keine Trennung von Körper und Geist, wie sie im westlichen Denken üblich ist. Daher ist QiGong als umfassende Übungspraxis zu verstehen. QiGong wird selten bezogen auf ein spezifisches Beschwerdebild eingesetzt, da es zur generellen Harmonisierung der Körperfunktionen beiträgt.

Es kann positive Effekte auf körperliche und psychische Begleiterscheinungen von Krebserkrankungen haben und zu einer Verbesserung der Lebensqualität führen. So wird QiGong zum Beispiel bei Beschwerden des Bewegungsapparats, Tinnitus, Stress, Burnout, Bluthochdruck, Schmerzen und Angstzuständen empfohlen.

Einige wissenschaftliche Studien haben die Wirksamkeit von QiGong in der Krebstherapie untersucht. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Untersuchungen positive Effekte von QiGong feststellen konnten, vor allem auf die Lebensqualität und einige Parameter des Immunsystems. Es ist nicht geklärt, ob dies Auswirkungen auf den Krankheitsverlauf hat. Allerdings weisen viele der Studien methodische Schwächen auf, so dass weitere Untersuchungen nötig wären, um die Wirksamkeit von QiGong nach westlichen wissenschaftlichen Maßstäben nachzuweisen.

QiGong ist als sicheres Behandlungsverfahren anzusehen.

Hintergrundinformation

QiGong stammt aus China und hat in diesem Kulturkreis eine Geschichte, die in ihren Wurzeln weit über tausend Jahre zurückreicht. Eine wichtige Grundlage waren die Übungsformen der chinesischen Kampfkünste (WuShu). Daraus entstanden TaijiQuan für das tägliche Üben und QiGong für medizinische Zwecke. Im Laufe der Zeit bildeten sich verschiedene Formen, Schulen und Richtungen des QiGong mit unterschiedlichen Schwerpunkten heraus. Diese Vielfalt kann vor allem für Neulinge recht verwirrend sein. In westlichen Ländern wird QiGong seit etwa 30 Jahren immer populärer. Im zeitgenössischen China spielt QiGong eine wichtige Rolle in der Gesundheitsfürsorge und als Teil der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM).

Ein grundlegendes Konzept der TCM ist das Qi. Wörtlich übersetzt kann dieser chinesische Begriff zum Beispiel Energie, Atem, Luft, Hauch oder auch Kraft bezeichnen. Qi begleitet und durchdringt alles und ist in seinem Wesen immateriell. Das Qi lässt sich also nicht greifen, anfassen oder messen. In der Lehre der TCM wird dem Qi und seinem Fluss durch den Körper eine wichtige Rolle bei der Entstehung von Krankheiten zugesprochen. QiGong soll den Fluss des Qi durch den Körper regulieren und harmonisieren und dadurch die Gesundheit und Heilungsprozesse fördern. QiGong wird bei verschiedenen Krankheitsbildern zur Linderung von Beschwerden eingesetzt. Auch bei einer Krebserkrankung kann QiGong den Umgang mit Symptomen, die durch die Erkrankung oder als Nebenwirkung der Therapie auftreten, erleichtern.

Anwendung

QiGong kann sehr gut selbstständig praktiziert werden. Ideal ist es, täglich zu üben. Schon 10 Minuten jeden Tag können eine gute Basis bilden. Zu Beginn sollte eine erfahrene Lehrerin oder ein erfahrener Lehrer die Übungen zeigen und erklären und bei ihrer Ausübung unterstützen. Dazu bietet sich der Besuch eines Kurses an, der zum Beispiel wöchentlich oder als Kompaktworkshop am Wochenende stattfindet.

Wirkung

QiGong führt, so beschreiben es Lehrende und Praktizierende, zu einer Stabilisierung der Mitte und zur Regulierung von Funktionskreisen. Den Fluss des Qis zu harmonisieren, kann nach diesem Selbstverständnis bei vielen Arten von Erkrankungen hilfreich sein. So wird QiGong zum Beispiel bei Beschwerden des Bewegungsapparats, Tinnitus, Stress, Burnout, Bluthochdruck und Angstzuständen empfohlen. Auch gegen Beschwerden, die infolge einer Krebserkrankung oder als Begleiterscheinung der Therapie auftreten, kann QiGong wirksam sein. Es kann helfen, besser mit Symptomen umgehen zu können und sie als weniger belastend zu empfinden.

Einige wissenschaftliche Studien haben die Wirksamkeit von QiGong in der Krebstherapie untersucht. Positive Effekte konnten vor allem in Hinsicht auf die Lebensqualität und das Immunsystem festgestellt werden. Mehrere Studien haben die Wirkung von QiGong auf Schmerzen untersucht, wobei nur eine Studie sich spezifisch auf Menschen mit Krebs bezog. Diese Studie kam zu dem Ergebnis, dass QiGong bei Frauen mit Brustkrebs zu einer deutlichen Verminderung von Schmerzen beitrug. Insgesamt wären jedoch weitere Studien notwendig, um die Wirksamkeit von QiGong nach westlichen wissenschaftlichen Maßstäben tatsächlich nachzuweisen.

Sicherheit

QiGong kann als sichere Technik eingestuft werden. Es sind keine Wechsel- oder Nebenwirkungen bekannt, allerdings fehlen auch entsprechende Untersuchungen zu diesen Fragestellungen. In seltenen Fällen behaupten Schulen oder Anbieter, dass (Guo-Lin-) QiGong Krebs heilen könnte. Diese Aussage ist in vielen Ländern, auch in Deutschland, verboten und strafbar. QiGong sollte eine reguläre onkologische Therapie begleiten und unterstützen, sie aber nicht ersetzen.

Gegenanzeigen

Wenn Sie die Möglichkeit des QiGong Praktizierens mit ihrem Arzt abgesprochen haben und es keine medizinisch begründeten Einwände gibt,  liegen prinzipiell keine Gegenanzeigen vor.

Sollten Sie unsicher sein, ob das Üben von QiGong für Sie geeignet ist (z.B. wegen Osteoporose, Bluthochdruck oder Bewegungseinschränkungen), so sollten Sie auf jeden Fall mit Ihrem QiGong-Lehrer/Ihrer QiGong-Lehrerin über Ihre Bedenken sprechen. Auch ein Gespräch mit Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt und ein Gesundheitscheck können helfen, um Bedenken auszuräumen.

Quellen

Grundlage für diesen Tex t ist das CAM Summary Qigong (Version 03/2015) des CAM-Cancer-Projektes (Concerted Action for Complementary and Alternative Medicine Assessment in the Cancer Field), fachlich geprüft durch das KOKON-Netzwerk.

Darüber hinaus wurde folgende Quelle verwendet:

  • Chen, Z. et al.(2013). QiGong improves quality of life in women undergoing radiotherapy for breast cancer: results of a randomized controlled trial. Cancer, (119), 1690–1698.
  • Oh, B. et al. (2010). Impact of medical QiGong on quality of life, fatigue, mood and inflammation in cancer patients: a randomized controlled trial. Annals of Oncology, (21), 608–614.
  • Zeng, Y. et al.(2014). Health benefits of QiGong or tai chi for cancer patients: a systematic review and meta-analyses. Complementary Therapies in Medicine, 22(1), 173-186.

Dieser Text wurde erstellt am 30. Juni 2015 und zuletzt überprüft am 26. Juli 2016.

 

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