Taiji Quan (Tai Chi)

Zusammenfassung

Im modernen China ist Taiji Quan (weitere mögliche Schreibweisen: Tai Chi, Tai Chi Chuan oder Taijiquan)  eine Art Volkssport und wird von Jung und Alt öffentlich praktiziert. Weltweit üben mehrere Millionen Menschen Taiji Quan. In der chinesischen Philosophie gibt es keine Trennung von Körper und Geist, wie sie im westlichen Denken üblich ist. Daher ist Taiji Quan als umfassende Übungspraxis zu verstehen. Im Fokus steht die Harmonisierung von Geist, Atmung und Bewegung.

Studien weisen darauf hin, dass Taiji Quan für Menschen mit Krebs hilfreich sein kann, um die körperlichen und psychischen Begleiterscheinungen der Erkrankung zu bewältigen.  So berichten Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer von einer Aufhellung ihrer Gemütslage, über weniger Ängstlichkeit und Depressivität und allgemein von einer Verbesserung ihrer Lebensqualität. Ein Nachweis durch kontrollierte, randomisierte Studien liegt jedoch nicht vor.

Taiji Quan kann als sichere Technik eingestuft werden.

Hintergrundinformation

Taiji Quan ist ursprünglich eine chinesische Kampfkunst. Relativ gesichert lässt sich ihre Geschichte etwa 500 Jahre zurückverfolgen. Eine wichtige Grundlage waren die Übungsformen der chinesischen Kampfkünste (WuShu). Daraus entstanden QiGong für medizinische Zwecke und Taiji Quan für das tägliche Üben. Im Laufe der Zeit bildeten sich verschiedene Stile, Schulen und Richtungen des Taiji Quan mit unterschiedlichen Schwerpunkten heraus. Diese Vielfalt kann vor allem für Neulinge recht verwirrend sein. Einige Stile erfreuen sich vor allem in China großer Beliebtheit als Wettkampfsport. Bei anderen Stilen tritt der kämpferische Aspekt vollkommen in den Hintergrund. Im zeitgenössischen China ist Taiji Quan eine Art Volkssport und wird von Jung und Alt morgens oder abends auf öffentlichen Plätzen und in Parks praktiziert. In westlichen Ländern wird es seit etwa 30 Jahren immer populärer.

Die Integration von Taiji Quan aus dem ostasiatischen in den westlichen Kulturkreis und Alltag stellt in manchen Aspekten eine Herausforderung dar. In der chinesischen Tradition gibt es die im Westen übliche Trennung von Körper und Geist nicht. Oberstes Ziel des Taiji Quan ist daher nach überliefertem Verständnis die Harmonisierung von Körper (Bewegung), Geist und Atmung. Ein grundlegendes Konzept ist dabei das Qi. Wörtlich übersetzt kann dieser chinesische Begriff zum Beispiel Energie, Atem, Luft, Hauch oder auch Kraft bezeichnen. Qi begleitet und durchdringt alles und ist in seinem Wesen immateriell. Das Qi lässt sich also nicht greifen, anfassen oder messen und wird durch das Praktizieren von Taiji Quan (ähnlich wie beim QiGong) reguliert. Ein wichtiger Begriff in diesem Zusammenhang ist die Lebenspflege. Lebenspflege bedeutet, sich aus eigenem Antrieb heraus weiterzuentwickeln und im Einklang mit sich und der Umwelt zu leben.

Die Integration von Taiji Quan in den westlichen Kulturkreis geht oft einher mit Erklärungsmodellen, die sich sportwissenschaftlicher, neurobiologischer oder psychologischer Kategorien bedienen. Die Wirkweisen und Erfolge des Taiji Quan sind dadurch für Menschen mit westlicher Prägung einfacher zu verstehen und zu akzeptieren. Diese Erklärungsmodelle beschreiben jedoch nur sehr eingeschränkt die Gedankenwelt, aus der heraus Taiji Quan entstanden ist.

Anwendung

Typisch für Taiji Quan sind fließende und langsame Bewegungen, die sich zu einer durchgängigen Choreographie (einer Form) verbinden. Die Bewegungen stammen aus den Kampfküsten, aber auch aus der Beobachtung und Nachahmung von Natur und Tierwelt. Die Bewegungsfolgen sind geschmeidig und können an die Möglichkeiten und Fähigkeiten der Übenden angepasst werden. Daher kann Taiji Quan zum Beispiel ohne Probleme bis ins hohe Alter geübt werden.

Während der Übungen wird die Wahrnehmung für den eigenen Körper und seine Kräfte geschult. Übende lernen, Anspannung und Entspannung zu unterscheiden. Sie arbeiten an einer stabilen Körperstruktur, einem Körpergleichgewicht, um so den eigenen Mittelpunkt auch unter dem Einfluss äußerer Kräfte zu wahren.

Zum Einstieg empfiehlt es sich, einen Kurs bei einer erfahrenen Lehrerin/einem erfahrenen Lehrer zu besuchen. Kurse bieten meist ein bis zwei Übungseinheiten pro Woche an. Eine Übungseinheit dauert eine oder anderthalb Stunde. Üblicherweise wird Taiji Quan in Gruppen geübt. Wenn Grundkenntnisse vorhanden sind, ist auch selbstständiges Üben sehr gut möglich. Für den Erfolg entscheidend ist das regelmäßige Üben, am besten täglich 10 – 15 Minuten.

Wirkung

Die körperliche Anstrengung beim Taiji Quan kann in etwa mit der von zügigem Gehen verglichen werden. Daher werden dem Taiji Quan positive Auswirkungen auf Ausdauer und Kraft zugesprochen. Es ist aus Untersuchungen bekannt, dass Sport und regelmäßige körperliche Aktivität sich positiv auf den Krankheitsverlauf bei einer Tumorerkrankung auswirken. Das ist einer der Gründe, warum Taiji Quan für Menschen mit einer Krebserkrankung unterstützend wirken kann.

Es wurden einige Studien durchgeführt, um die Wirksamkeit von Taiji Quan bei Menschen mit verschiedenen Erkrankungen zu untersuchen. Sie haben überwiegend positive Effekte gezeigt, zum Beispiel auf Beweglichkeit, Kraft, Balance, Herzkreislauffunktion, Blutdruck und Beschwerden aufgrund von Osteoporose. Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer berichteten auch von einer Aufhellung ihrer Gemütslage, über weniger Ängstlichkeit und Depressivität und allgemein von einer Verbesserung ihrer Lebensqualität. Um die Wirksamkeit von Taiji Quan nach westlichen wissenschaftlichen Maßstäben nachzuweisen, wären allerdings weitere Untersuchungen nötig.

Sicherheit

Taiji Quan kann als sichere Technik eingestuft werden. In den vorliegenden Studien wurden keine schädigenden Effekte festgestellt, allerdings wurde diese Fragestellung auch noch nicht umfassend untersucht.

Gegenanzeigen

Wenn eine Absprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt keine medizinischen Einwände gegen das Praktizieren von Taiji Quan ergibt, können Sie mit dem Üben beginnen. Sollten Sie unsicher sein, ob das Üben von Taiji Quan für Sie geeignet ist (z.B. wegen Osteoporose, Bluthochdruck oder Bewegungseinschränkungen), so sollten Sie auf jeden Fall mit Ihrem Taiji Quan-Lehrer/Ihrer Taiji Quan-Lehrerin über Ihre Bedenken sprechen. Auch ein Gespräch mit Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt und ein Gesundheitscheck können helfen, um Bedenken auszuräumen.

Quellen

Grundlage für diesen Text ist das CAM Summary Tai Chi (Version 11/2013) des CAM-Cancer-Projektes (Concerted Action for Complementary and Alternative Medicine Assessment in the Cancer Field), fachlich geprüft durch das KOKON-Netzwerk.

Dieser Text wurde erstellt am 30. Juni 2015 und zuletzt überprüft am 26. Juli 2016.

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